Innenansicht der Runge-Orgel in Döbbersen, Foto: Heiko Preller

Kleine und große Königinnen

Details unserer Orgeln

Das älteste erhaltene Werk eines herzoglichen Orgelbauers.

Orgel von Paul Schmidt, 1755 in der Dorfkirche Dresveskirchen, Foto: Heiko Preller

Arndt Paul Schmidt wurde 1715 oder 1716 geboren, vermutlich in Rostock. Er war nach 1750 für mehr als drei Jahrzehnte die dominierende Orgelbauerperson in Mecklenburg. Aus seinen Notizen geht hervor, dass er bei dem Rostocker Orgelbauer Caspar Sperling in der Lehre war. 1749 erhielt Schmidt das Herzogliche Orgelbauerprivileg. Dieses Recht sicherte ihm vor anderen Orgelbauern Aufträge im ganzen Land.

Zu seinen Leistungen zählten Orgeln aller Größe – von der Hausorgel (z.B. einem Instrument für den Erbprinzen Friedrich) bis zum großen Werk für die Marienkirche Rostock mit 4 Manualen und 62 Registern. Er beschäftigte sich auch mit der Entwicklung und dem Bau besaiteter Tasteninstrumente.

Imposant sind die erhaltenen Gehäuse großer Orgeln, allen voran das in der Marienkirche Rostock, dann in der Pfarrkirche Güstrow, weiter in Malchin und Teterow. Mittelmäßig war sein handwerkliches Geschick. Das belegen zahlreiche Reparaturen, spätere Abrisse vieler Werke sowie Urteile von Zeitgenossen. Bereits nach 23 Jahren, noch zu Schmidts Lebzeiten, wurde das 1770 vollendete Meisterwerk in der Marienkirche Rostock durch einen Neubau des Berliner Orgelbauers Ernst Marx ersetzt. Dennoch war sein Schaffen profilbildend und wurde durch seine Gesellen Christian Heinrich Kersten (Rostock) und Johann Joachim Schmidt (Malchin) fort- und in das 19. Jahrhundert geführt. Komplette Orgeln blieben nur wenige erhalten, dafür mehrere Orgelgehäuse, in denen heute andere Instrumente klingen.

Das Instrument in Dreveskirchen ist die älteste erhaltene Schmidt-Orgel. Friedrich Wilhelm Winzer (Wismar) baute sie 1840 um und passte sie dem damaligen Klanggeschmack an. 1999/2000 erfolgte die Restaurierung mit Rekonstruktion des Zustandes von 1755 durch Kristian Wegscheider (Dresden). Im Pfeifenwerk waren die vier Zungenregister völlig verloren. In den anderen Registern mussten Pfeifen in verschiedener Anzahl ergänzt werden. Die Klaviaturen und Manubrien wurden analog anderer Orgeln rekonstruiert.

Nicht alle Pfeifen im Prospekt (in der Ansicht) sind tatsächlich Pfeifen. In beiden Außenfeldern stehen gut gebaute Holzattrappen. Das Gehäuse hatte im 19. Jahrhundert einen braunen holzfarbenen Anstrich und im 20. Jahrhundert einen Anstrich in Graublau und Rot erhalten. Die originale Fassung wurde 1999 freigelegt. Die Prospektpfeifen wurden nach Befund versilbert.

Disposition: ein Manual, Pedal, mechanische Schleifladen, 15 Register

1. Manual / C/D-c3

  • Principal 8’
  • Gedact 8’
  • Octave 4’
  • Flöhte 4’
  • Octave 2’
  • Waldflöhte 2’
  • Mixtur 3fach
  • Trompete 8’
  • Vox humana 8’ ab c1

Pedal / C.Cis-c1.d1

  • Subbass 16’
  • Octave 8’
  • Octave 4’
  • Octave 2’
  • Posaune 16’
  • Trompete 8’

 

  • Tremulant
  • Cimbelstern

Stimmtonhöhe a1465 Hz bei 15oC
Stimmungsart ungleichschwebend (Bach-Kellner)
Winddruck 64 mm WS

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