Innenansicht der Runge-Orgel in Döbbersen, Foto: Heiko Preller

Kleine und große Königinnen

Details unserer Orgeln

Von Berlin nach Wesenberg

Pfeifen der Röder-Orgel in Wesenberg, Foto: Heiko Preller

Die Röder-Orgel in Wesenberg ist die älteste Orgel Berlins, die erhalten blieb. Sie stand in der Dorotheenstädtischen Kirche. Die Umsetzung nach Wesenberg hat sie wahrscheinlich vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges gerettet.
Michael Röder aus Berlin erbaute 1717 für die Dorotheenstädtische Kirche in Berlin (Simultankirche für die evangelische und französisch-reformierte Gemeinde) eine neue Orgel.
Nach 1800 verkam die Orgel immer mehr. 1832 hatte sie nur noch 9 klingende Stimmen. Karl Friedrich Zelter stellte 1831 fest, „... dass das Orgelwerk durch 20jährige Nachlässigkeit des Organisten dem gänzlichen Ruin ganz nahe gekommen.“ 1832 war die Orgel unspielbar. Der Apotheker Erdmann aus Wesenberg, der sich in Berlin aufhielt, erfuhr 1832 aus dem „Berliner Intelligenzblatt“ vom Angebot dieser Orgel. Er vermittelte den Kauf nach Wesenberg, wo seit langem keine Orgel existierte. Carl August Buchholz aus Berlin, der in der Dorotheenstädtischen Kirche eine Orgel aufstellte, setzte das Rödersche Werk mit veränderter Disposition nach Wesenberg um. Die Prospektpfeifen wurden durch ihn neu gebaut.  Weitere Änderungen erfolgten 1844 durch Buchholz und 1890 durch Friedrich Hermann Lütkemüller (Wittstock). 1907 erweiterte Barnim Grüneberg (Stettin) die Orgel um ein zweites Manual mit pneumatischer Traktur. Die Orgel hatte danach 15 Register.
1995 begann die Rekonstruktion auf den Erstzustand 1717 durch die Dresdner Restaurierungswerkstatt Wegscheider, die im Jahr 2000 beendet wurde. Die nicht überlieferte und ganz schwer zu ermittelnde Disposition konnte nur anhand der originalen Windladen und im Vergleich mit anderen Röder-Orgeln rekonstruiert werden. Von den drei Keilbälgen Röders wurden zwei restauriert und an das elektrische Gebläse angeschlossen.
Das ganze Gehäuse war mit einem braunen Anstrich überzogen. Sehr aufwändig, aber mit ausgezeichnetem Ergebnis konnte die originale Fassung freigelegt werden.

 

Johann Michael Röders Herkunft und Geburtsjahr sind unbekannt. Geboren ist er möglicherweise um 1670, gestorben nach 1745. Röder war als Tischler bei Arp Schnitger in Hamburg tätig, nachweislich von 1706-1708 bei ihm in der Orgelbauerlehre. Danach ist sein Wirken im Zeitraum zwischen 1708 und 1745 in Schlesien und Berlin nachweisbar. Er schuf sehr schmuckvolle opulente Orgelgehäuse. Demgegenüber wirkt das Gehäuse in Wesenberg zurückhaltend und schlicht. In Mecklenburg war Röder nicht tätig.

Disposition: in Manual, Pedal, mechanische Schleifladen, 19 Register

Manual / C.D.E-c3

  • Principal 8’ (B)
  • Gedackt 8’ (R, W)
  • Octave 4’ (B, R, W)
  • Rohrflöte 4’ (aus der Rohrflöte 8’ von Buchholz, ergänzt Wegscheider)
  • Quinte 3’ (B, R, W)
  • Superoctave 2’ (B, R, W)
  • Superquinte 1 ½’ (W)
  • Sedecima 1’ (W)
  • Sesquialtera 2fach ab c1 (W)
  • Mixtur 3fach (W)
  • Cimbel 2fach (W)
  • Trompete 8’ ab c1 (W)

Pedal / C.D-d1

  • Subbaß 16’  (W)
  • Principalbaß 8’ (W)
  • Octavenbaß 4’ (W)
  • Mixtur 4fach (W)
  • Terzian 2fach (W)
  • Posaune 16’ (W)
  • Trompete 8’ (W)

Register von

  • B = Buchholz
  • R = Röder
  • W = Wegscheider

Sie hören die Orgel in diesem Konzert. Vorher gibt es eine Orgelführung mit Herrn Wegscheider, der die Orgel restauriert hat.

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